Tag 78: 30.6.2013 1245,6 von 2186 Meilen

In letzter Zeit wache ich jeden Morgen so gegen 5:30 Uhr auf. Auch als ich in New Jersey geschlafen habe. Heute auch wieder, aber aufstehen kann ich so früh irgendwie nicht. So wird es heute Morgen sogar fast 8:30 Uhr bis es endlich weiter geht.
Der Weg ist heute die reinste Katastrophe. Für die nächsten 7 Meilen zum Shelter dauert es sage und schreibe 4 1/2 Stunden. So steinig ist der Trail hier. Aber ich habe riesen Glück. 10 Minuten nachdem ich unter dem schützenden Shelterdach sitze fängt es an zu regnen. Was die nächsten Tage wohl noch öfter vorkommen wird. Das blöde nur: Der Regen hält mich hier gleich mehrere Stunden fest. Erst um 16:00 Uhr entschließe ich mich, nachdem der Regen wieder eine Pause macht weiter zu gehen. Und prompt ist der Weg auch sehr gut zu laufen. Zum Blue Mountain Summit Restaurant brauche ich für die 4 Meilen keine 1 1/2 Stunden. Das Restaurant liegt keine 200 Meter ab vom Trail, kann man da vorbei gehen? Meinen Rucksack und die neuen, vom nassen Gras schon wieder recht schweren Boots bleiben draußen vor dem Eingang liegen.
Nach einer dreiviertel Stunde Pause nehme ich die letzten 6 Meilen für heute in Angriff.
Zu einem Teil wieder sehr schlecht zu gehen. Es ist wieder einmal dunkel und mit Kopflampe finde ich den Bake Oven Knob Shelter. Na ob der auch wieder voll ist? Leise schleiche ich um die Ecke. Kein Schw…n hier. Hätte ich nicht gedacht. Ruck zuck ist das Bett hergerichtet und die Nachtruhe eingeläutet.

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Tag 77: 29.6.2013 1228,2 Meilen von 2186 Meilen

Um 12:15 Uhr war wieder zurück auf dem Trail. Vielleicht kurz ungewohnt, aber nach wenigen hundert Metern war ich wieder “Zuhause”. Ich war gespannt wie lange es dauern wird und vor allendingen wer der/die Erste sein wird, den man kennt.
Am ersten Shelter nach 6 Meilen ist es dann “Lady” die ich dort wieder treffe. Eine junge Hikerin, die ich das letzte Mal bei diesem grausamen Regentag im Shenondoah N.P. gesehen habe. Nach kurzem Überlegen wusste sie sogar meinen Namen. Die anderen Typen hier am Shelter waren Wochenendhiker. Von denen habe ich noch eine gut gefüllte Packung mit Rotwein mitbekommen.
Der nächste Shelter ist 9,1 Meilen entfernt. Hat ne Dusche und drinnen Etagenbetten. Ich hatte gehofft um 20:00 Uhr dort zu sein. Leider wurde das nichts. Den letzten Rest musste ich sogar noch mit der Kopflampe laufen. Und zu allem Überfluss war bei meiner Ankunft das Teil schon voll. Kurz vorher an der Straße hatte ich schon zwei Zelte gesehen. Es blieb mir nichts anderes übrig als mich dazu zu gesellen. Um 21:30 Uhr war mein Abendessen im Zelt gekocht. Danach hat es noch bis in die Nacht hinein leicht geregnet.

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Wie geht das eigentlich?

Bei den ersten Planungen auf diese Reise habe ich mir häufig die Frage gestellt. Wie findet man in den einzelnen Bundesstaaten auf dem Trail eigentlich zurecht? Wie viele Wanderkarten braucht man da? Für Virginia vielleicht gleich 40 oder 50. Und wo bekommt man die her? Dabei ist die Lösung ganz einfach und wie ich finde auch recht günstig.

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Man bestellt sich im Internet dieses Buch für 15,95 $. Da findet man auf 220 Seiten alle Informationen um sich auf diesen knapp 2200 Meilen zurecht zu finden.

 

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Auf diesen Seiten die einzelnen Entfernungen, Höhenangaben, wo Shelter und Campgrounds sind, Wasserstellen, Aussichtspunkte etc.

 

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Hier Angaben zu Unterkünften, Einkaufsmöglichkeiten, Öffnungszeiten, etc.

Und hier kleine Stadtplaene, mit seinen Unterkünften, Einkaufsmöglichkeiten, Postoffice, Entfernungen vom Trail, etc.SAMSUNG

 

 

 

 

 

Dann braucht man eigentlich nur noch dem weißen Strich, “the white blaze” folgen und es kann nichts mehr schief gehen.

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Tag 74: 26.06.2013 1210 von 2186 Meilen

Am Morgen ist wieder Alles trocken. Um 7:30 Uhr geht es weiter. Schon nach kurzer Zeit holt mich die Erste die gestern noch im Shelter geblieben ist wieder ein. Zur Mittagspause um 14:00 Uhr sind dann Alle wieder da. Am Eagles Nest Shelter wird es jetzt ziemlich voll. Für einige bleibt nur das eigene Zelt. Ich will noch weiter zur Stadt. Ich werde Morgen aus Hamburg PA. abgeholt und folge einer Einladung von Bekannten in New Jersey. Etwa vier Meilen lasse ich noch für Morgen übrig. Werde wohl gegen 13:00 Uhr abgeholt. Dann sollte noch genügend Zeit bleiben um noch die Wäsche einmal zu waschen und um selber einigermaßen wieder frisch zu sein. Am Samstag soll es dann weiter gehen.
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Tag 73: 25.06.2013 1194,4 von 2186 Meilen

Unser Campground letzte Nacht war recht gut besucht. Ich schätze so an die zehn Zelt standen da gestern in der Abenddämmerung. Heute Morgen um 7:00Uhr waren schon viele verschwunden. Zur Straße nach Lickdale ist es keine 200 Meter. Nach kurzer Fahrt wieder auf der Ladefläche im Pick-up sitzen wir um 8:00 Uhr bei Subway und schlagen uns die Bäuche mit Baguette und Cola voll. Ein Baguette nimmt jeder noch zum Mittag mit. Anschließend noch zu McDo zum Mails checken. Leider gibt’s um diese Zeit noch kein Eis zu kriegen. Um 9:00 Uhr sind wir zurück auf dem Trail. Besser gehts nicht. Es ist wieder sehr heiß heute. Schwüle Luft. Es riecht förmlich nach Gewitter.
Die erste Etappe sind ca. 8 Meilen. Die geht aber jeder für sich. Treffpunkt ist der nächste Shelter. Ich habe zwar genügend Wasser dabei, bei der Hitze aber noch etwas mehr zu haben wäre nicht schlecht gewesen. An einem Aussichtspunkt laufen mir dann wahrscheinlich Nummer “26 + 27″ über den Weg.
Als ich am Treffpunkt aufkreuze hat Rolling R. schon gegessen. Ich hole mir erst einmal drei Liter schönes kühles Wasser von der Quelle. Mit uns hier am Treffpunkt Nummer “25″ Lost. Nach ‘ner Weile schicken brechen die Beiden auf. Ich ruhe mich noch ne halbe Stunde aus. Als ich eigentlich fertig zum Aufbruch war, kam dass, was sich aus der Ferne schon andeutete. Ein richtig satter Schauer. So verzögert sich mein Abmarsch um eine halbe Stunde hier unter dem schützenden Dach des Shelter. Dann ist der Spuk vorbei. Die anderen Beiden hat der Schauer voll erwischt. Auf den folgenden fünf Meilen überschreiten wir die Meile 1186,0. Von jetzt an sind es keine 1000 Meilen mehr bis zum Mt. Katahdin. Um 17:15 Uhr trudel ich auch am Shelter501 ein. Ich werde schon sehnsüchtig erwartet. Der Shelter liegt dicht an einer Straße. Ein örtlicher Pizzaservice hat hier seine Speisekarte ausliegen. Man wartet nur noch auf meine Bestellung. Bock auf Pizza habe ich nicht. Hamburger und Pommes gehen immer noch. Dazu einen Liter Zitronenlimo. Während noch auf das Essen warten nutze ich die Zeit zum Duschen. Ja, So etwas gibts hier auch. Zwar nicht warm, aber bei der Hitze der letzten Tage wieder frisch gewaschen zu sein. Ein echter Luxus. Rolling R. ist immer noch genervt vom Schauer. Ausserdem ist natürlich die ganze Kleidung nass. Ich packe Alles ein und mache mich um 19:00 Uhr noch auf den Weg. Nach zwei Stunde kommt ein Campground mit einem Aussichtspunkt. Keiner hier. Auch egal. Auf dem letzten Stück ging es wieder über so viele Steine, da wollte ich nichts riskieren. Hier sind viele schöne ebene Flächen zwischen den Bäumen. Um 22:00 Uhr noch einmal ein ordentliches Gewitter. Schön, dabei im trockenen Schlafsack zu liegen.
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Tag 72: 24.06.2013 1177,3 von 2186 Meilen

Irgendwie muss hier heute Morgen schon in aller früh einer an unserem Campground vorbei marschiert sein. Hat wohl kurz den Aussichtspunkt aus unserem Lockbuch “abgehakt” und weiter gehts. Ich war jedenfalls um 5:30 Uhr wach. Konnte / wollte nicht mehr schlafen und habe unser Essen aus dem Baum geholt und es mir auf dem Felsen gemütlich gemacht. Leider war mein Vorrat an Wasser so gut wie aufgebraucht. Von hier aus mussten erst einmal vier Meilen abmarschiert werden um an das kostbare Nass zu gelangen. Solche Probleme sollen uns heute erspart bleiben. Quellen oder kleine Flüsse gibt es genug. Heute ist eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag. Obwohl wir gar nicht so viele Meilen machen wollten werden es über 20. Wenn ich mir inzwischen meine Schuhe betrachte, wird wohl zum Wochenende ein Boxenstop fällig. Die Sohle am linken Schuh scheint sich langsam zu lösen.
Zu unserer letzten Etappe brechen wir wie gestern gut ausgeruht um 19:00 Uhr gemeinsam auf. Den Tag über haben Rolling R und ich uns Punkte abgemacht wo wir uns immer wieder getroffen haben. Um 21:30 Uhr erreichen wir ein Campground ganz in der Nähe einer viel befahrenen Straße. Dort wollen wir gleich in der Früh die zwei Meilen in den Ort trampen. Was leckeres essen und zurück zum Trail fahren und Meilen machen.
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Tag 71: 23.06.2013 1156,5 von 2186 Meilen

Nach meinem Restaurantbesuch gestern Abend, habe ich vor dem Motel noch erfahren, dass angeblich Morgen früh um 8:00 Uhr ein Shuttle in den Ort fahren soll. Also ist mein Rucksack um 7:45 Uhr gepackt. Als ich draußen die Treppe herunter gehe, steht ein anderer Motelgast vor seinem Pickup. “Wer nicht fragt zur rechten Zeit.”
Der Typ fährt zum Supermarkt. Und was fehlte mir gestern Abend noch. Um kurz nach 8:00 Uhr stehe ich bereits im Laden. Von den anderen Hikern habe ich heute keinen mehr gesehen. Der Typ ist mit dem Einkaufen auch etwas länger beschäftigt. Als ich ihn an der Kasse sehe bringe ich meinen Einkauf auch schnell zu Ende. Zufällig stehen wir dann beide wieder an seinem Wagen.
Jetzt fehlt mir nur noch ein Frühstück. Mit meinem Rucksack und den Einkaufstüten werde ich im Ort bei Goodies raus gelassen. Der Laden ist genau auf der anderen Straßenseite vom Hotel Doyle wo ich gestern keinen Platz mehr bekommen habe. Dort drinnen treffe ich den nächsten Deutschen hier auf dem Trail. Gefühlt müsste es die Nummer 25 sein. Nach einem Teller mit Bratkartoffeln wird draußen der Einkauf im Rucksack verstaut und die ganze Verpackung entsorgt. Um 9:30 Uhr sind es glaube ich schon 30 Grad. Nach eineinhalb Meilen am Ortsrand wird in ‘nem Truckstop noch telefoniert. Der Laden hat alles was das Herz begehrt. Auch einen Subway. Von hier nehme ich mir noch ein großes Baguette mit auf den Trail. Um 13:00 Uhr komme ich oben am nächsten Shelter an. Mir ist zu heiß zum Weiterlaufen. Auf meiner Isomatte gönne ich mir im Hochbett im Shelter ein kleines Nickerchen.
Um 15:00Uhr taucht plötzlich “Rolling R” hier oben auf. Wir hatten uns ja in Harpers Ferry kennengelernt. Ich habe mich sehr gefreut. Wir beschließen, uns am nächsten Shelter wieder zu treffen. Dort wird noch einmal warm gegessen. Um 19:30 Uhr brechen wir gemeinsam auf zur letzten Etappe. In drei Meilen kommt ein Aussichtspunkt. Hier bauen wir bei einbrecheder Dunkelheit die Zelte auf. Es ist heute herrlicher Vollmond.
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Tag 50: 2.6.2013, 806,3 von 2186 Meilen

Gleich am Morgen erstmal wieder knapp 700 Höhenmeter rauf. Ich bin total schlapp. Danach bleibt das Profil recht leicht. Meistens bergab. Den ersten Shelter laufe ich gar nicht erst an, liegt 0,2 Meilen ab vom Weg. Neues Wasser kommt in einer knappen Meile. Hier an  einer Quelle auch gleich warm gegessen. Es sind ja auch schon 8,8 Meilen geschafft. Die Füße schnell in kaltem Wasser gebadet. Beim Einpacken mal wieder was Neues: Es regnet! Lange nicht gehabt. Mal schauen, wie meine Schuhe drauf sind. Bei meiner letzten Unterkunft in Daleville waren meine Schuhe ja endlich trocken. Habe im Hotel in der Hikerbox gleich zwei Präparate zum Schuhe-Imprägnieren gefunden. Es regnet bestimmt 2 Stunden lang. Aber halb so wild. Um 18:10 Uhr ist der zweite Shelter erreicht. Ich mache Schluss für heute. 18,3 Meilen müssen heute reichen. Bis Waynesboro sind es nur noch 60 Meilen. Mittwoch Abend möchte ich dort sein.

Tag 48: 31.5. 2013 761,3 von 2186 Meilen

SAMSUNGDie Nacht war um 6:20 Uhr zu Ende. Da hat der Erste schon sein Zeug zusammen gepackt. Spät in der Nacht ist noch ein junges Pärchen am Shelter angekommen. Haben aber gar nicht erst nach einem Platz gefragt. Morgens hatte ich sie erst erblickt.  Sie hat in der Hängematte geschlafen, er einfach auf dem Waldboden. Um 7:30 Uhr war ich auch fertig. Wie jeden Tag,  am ersten Shelter ein paar Snacks reingepfiffen. Dann bot sich auf dem Streckenplan ein Campground mit Laden und kleinem Restaurant an. Hab mich aber mit der Entfernung ein wenig verlesen. Waren dann mehr als eine Meile vom Trail. Hatte mich aber so auf kalte Getränke gefreut. Das Essen wollte ich eigentlich selber kochen. Ich konnte von der Speisekarte dem selber gebratenen Hamburger und Pommes aber nicht widerstehen.  Vielleicht koche ich ja heute Abend noch etwas.
So, jetzt soll es weiter gehen. Ich hoffe nur, dass mich zum Trail zurück jemand mitnimmt.

Um 15 Uhr war ich dann zurück am Trail. Die Besitzerin eines kleinen Ladens am Campground hatte einen Kunden gefragt, ob er mich zurückfahren würde. Das Appalachengebirge ist hier noch etwa 1200 m hoch. Nach einer lange Pause heute mal wieder 700 Höhenmeter an einem Stück bewältigt. Am Abend habe ich mir einen Zeltplatz mit schöner Aussicht gesucht. Es war aber auch die bisher schlechteste Stelle wo man zelten konnte. Zwischen zwei Bäumen war nichtmal genug Platz um das Zelt aufzubauen. Das Zelt stand nur schlaff in der Gegend rum. Die Auswahl an geeigneten Ästen für den Bärenbeutel hielt sich auch in Grenzen. So kam es, wie es kommen musste. Der Ast, an dem der Beutel hing, ist abgebrochen. Habe das Teil dann unter grossen Zweigen neben das Zelt gelegt und gehofft, dass keiner guckt.

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About my Trailname:

Über meinen Trailnamen wollte ich eigentlich schon früher mal geschrieben haben, hat aber leider nicht geklappt.

Mein Name ist Bird. 
Einfach Bird

Den Trailnamen bekommt man eigentlich von anderen Hikern. Ich habe mir meinen Trailnamen aber schon zuhause verliehen. Wusste aber nicht, ob ich ihn behalten darf oder hier noch einen anderen bekomme.
Er stammt in Abwandlung von meinem Lieblingslied “Freebird” von LYNYRD SKYNYRD. Kennt bei uns fast keiner. Brauch ich hier in Amerika aber keinem erklären. Ist hier so bekannt wie bei uns “Fuchs du hast die Gans gestohlen”. Aber es war schon komisch als am ersten Morgen im Hiker-Hostel beim Frühstück jemand zu mir sagte, – “hey Bird, gib mir doch bitte mal den Sirup rüber!” Ein anderer Hiker, dem ich die Geschichte erzählte, sagte zu mir, ” …ok, your name is Bird, but your whole name is Freebird.”