Tag 104: 27.07.3012 noch 396,0 von 2186 Meilen

Bin heute sogar mal wieder um 7:30 Uhr losgekommen. Mal sehen, ob sich das Morgen noch einmal steigern lässt. Schon recht  früh komme ich an eine Straße, da kommt mir ein Pärchen mit ihrem kleinen Jungen entgegen. Kühlboxen und Pavillon unterm Arm. Die wollen im Wald ein Trail-Magic aufbauen. Er ist den Trail 2008 gegangen und hat auch die Leute gesehen, die die Dokumentation über den AT in dem Jahr gedreht haben. Für mich springt wenigstens noch ne Dose Cola ab. Gegen Mittag komme ich über den Mt. Mist. Mit seinen gut 700 Höhenmetern eigentlich gerade mal ein Misthaufen. Gegen Abend geht es dann schon mal ein Stückchen rauf zum Mt. Moosilauke. Der ist dann aber wenigstens schon mal wieder 1600 Meter hoch. Auf halber Strecke wollte ich mir eigentlich an einer Quelle einen Platz zum Zelten suchen, da aber etwa eine halbe Meile vorher der Weg zu steil ist und ich vermutlich dann noch länger nach einem geeigneten Platz suchen muss, lege ich mich heute Abend wieder neben einen kleinen Fluss. Hier ist es auch nicht so laut wie gestern. Allerdings doch etwas schräg. Die Füsse muss ich wohl auf meinen Rucksack legen. Nun sind es morgen gerade mal 6,5 Meilen in den nächsten Ort. Ich überlege, wenn ich dort zeitig ankomme und schnell alles einkaufen kann, am Nachmittag schon in die White’s aufzubrechen und mich bis zum ersten Shelter vorzukämpfen.

Bild 1: so sieht der Weg hier jetzt häufiger aus. Alles Modder.

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Tag 103: 26.07.2013 noch 409,3 von 2186 Meilen

Heute Morgen war ich wohl wieder ein Trail-Frevel.

Nach einer guten halben Stunde bin ich am Haus von Bill vorbei gekommen. Bill gibt jedem Thru-Hiker ein Eis aus. Man kann bei ihm Wasser kriegen und umsonst im Garten campen. Nach so kurzer Zeit wollte ich aber nicht schon wieder Pause machen. Naja, die anderen werden mir in den nächsten Tagen schon erzählen, was ich versäumt habe. Heute geht es zwei mal über 1000 Höhenmeter. Bin heute wenigstens etwas besser drauf als gestern. Ansonsten ist ein recht anstrengender Hiker-Tag mit angenehmen Temperaturen. An den Aussichtspunkten hat ein wenig die Sonne gefehlt. Ein Shelter oder Campground laufe ich heute Abend nicht an. Ein Shelter kommt mir zu früh. Ein Campground ist zu weit weg. Also wollte ich mir eigentlich nach einer Wasserstelle eine ebene Fläche für mein Zelt suchen. Es kommt aber ewig nichts. Der Tag wird mir eigentlich zu lang. Aber am nächsten Fluss werde ich für meine Geduld belohnt. Allerdings muss ich mal sehen, ob ich vielleicht doch mit Ohrstöpsel schlafen muss.

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Tag 102: 25.07.2013 noch 425,5 von2186 Meilen

Mit dem “Zusammenlosfahren” wurde das leider nichts. Das Motel macht erst Frühstück um 7:30 Uhr. Das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Die Frühstücke in den Motels sind meistens sehr einfach gehalten. Hier gibt es aber alles, was ich mag. Waffeln, heißen Kakao, Bananen, Äpfel und, und, und …
Ich stehe schon gegen 8:00 Uhr an der Bushaltestelle gleich beim Motel und werde aber schon bevor der Bus kommt, von einem Wagen mit in den Ort genommen.  Schon nach einer guten halben Stunde haben die drei mich im Wald eingeholt und überholen mich mit einem Affenzahn. Ich bin irgendwie Heute nicht gut drauf. Am Shelter um 15:00 Uhr gibt es warmes Essen. Ich habe im Outfitter grössere Portionen Fertiggerichte gefunden. Vielleicht bringen die mich ja wieder nach Vorne. Überhaupt fühlt sich mein Rucksack auch mit dem vollen “Bärenbeutel” dieses mal nicht so schwer an. Habe aber auch im Motel den Rucksack noch einmal durchforstet und noch einmal ein paar Sachen dem Mülleimer übergeben. Vor dem letzten Anstieg steht doch tatsächlich mal wieder eine Kühlbox am Wegesrand. Ich muss aber sagen, heute ist es nicht so warm. Ich hätte das Trail-Magic gar nicht gebraucht. Aber weil es ja so nett gemeint ist greife ich trotzdem zu.
Für die gut 16 Meilen heute bin ich leider wieder ziemlich lange unterwegs. Erst um 19:30 Uhr erreiche ich den Trapper John Shelter und suche mir dahinter ne gerade Fläche für mein Zelt. Mal sehen, vielleicht bin ich Morgen ja wieder besser drauf.

Bild 1+2: da muss man über so einen blöden Berg und hat nicht einmal eine Aussicht.

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Bild 3: mein Mittagsshelter

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Bild 4: der kleine Hügel da hinter wartet schon morgen Vormittag auf mich.

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Tag 101: 24.07.2013 noch 442,1 von2186 Meilen

Den freien Tag heute habe ich auch dringend gebraucht.  Wir mussten uns zwar heute Morgen  im Motel beeilen, denn um 8:00 Uhr sollte der Strom abgestellt werden,  aber 8:00 Uhr ist für uns ja gewöhnlich nicht früh.
Wenn ich die letzte Etappe von Manchester bis hier her noch einmal Revue passieren lasse, muss ich sagen, dass ich den Schritt, den ich in Salisbury gewählt habe, in keinster Weise bereue. Obwohl ich an dem Tag wirklich TOT- traurig war. Dazu kommt, dass die anderen Hiker hier berichten, wie schlimm es in Massachusetts mit Fliegen und Mücken gewesen sein soll.
In den letzen Tagen wurde ich von Einigen per Mail gefragt, ob ich  diesen Rest  bis zum 31. August schaffe. Dazu muss ich vielleicht erklären: wenn man den Trail von Springer Mt. bis zur Grenze nach New Hamphire geschafft hat (stimmt bei mir ja nicht) ist man 80% des Trails gelaufen. Hier auf dem Trail sagt man, dass man  für den Rest aber 80% seiner Kraft noch haben sollte. Was hier sicher keiner mehr hat. Ich bin jetzt auch kaputt. Kann einige Essen nicht mehr sehen. (Heute Hamburger #51?) Man will den Trail einfach nur noch irgendwie zum Ende bringen. An 20 Meilentage ist bei mir nicht mehr zu denken. Ich bin im Moment nach 15 Meilen schon fix und fertig. Einen weiteren Termin habe ich mir aber auch gesetzt. Am 19. August möchte ich in dem Ort Monson in Maine sein, um am 20. in das allerletzte Stück zu starten, damit ich die ” 100 Miles Wilderness ” um den Trail am Mt. Katahdin nicht  am allerletzten Tag  beende.
Für uns folgt jetzt noch eine Etappe bis North Woodstock über 52,7 Meilen zum Warmwerden. Essen habe ich  für vier Tage mit. Dann muss Verpflegung für 96 Meilen, bzw. sechs Tage im Rucksack eingelagert werden. In den “Whites” gibt es auch teure Unterkünfte, wo man am Tage Essen gehen kann. Vielleicht mache ich  auch noch mal Fotos vom Streckenprofil aus unserem AT Guide. Morgen früh fahre  ich gegen 7:00 Uhr mit Uta und Sinjon aus HH und ihrem Hund zurück zum Trail. Sybil hat ziemliche Muskelprobleme im Fuß. Sie bleibt noch einen Tag im Motel. Muss den Trail vielleicht sogar hier abbrechen. Das nächste Wifi werde ich sicher erst in …..oder vier Tagen haben.

Tag 100: 23.07.2013 noch 442,1 von 2186 Meilen

Heute Morgen wollten wir alle natürlich früh los, um nicht so spät im Ort anzukommen. In der Nacht hat es schon angefangen, wie aus Kübeln zu regnen. Leider hört es zum frühen Morgen immer noch nicht auf. Bei dem Regen gehe ich jedenfalls nicht raus. So gegen 8:00 Uhr wird es weniger. Nur mit der Regenjacke drüber schaue ich mal im Shelter nach, was da los ist. Auf dem Campground steht nur noch ein weiteres Zelt. Die anderen müssen tatsächlich bei dem Regen eingepackt haben. Im Shelter liegen noch sechs Leute in ihren Schlafsäcken warm und trocken. Um 9:00 Uhr hört der Regen tatsächlich auf. Erst jetzt frühstücke ich meine allerletzten Vorräte. Für die nächsten 6 Meilen zu einem weiteren Laden direkt am Trail, habe ich noch einen Snikers Riegel als eiserne Reserve. Mein Rucksack fühlt sich richtig leicht an. Wie leicht wäre der erst, wenn mein Zelt jetzt nicht so nass wäre. Natürlich tropft es ordentlich von den Blättern, aber irgendwie muss es ja weiter gehen. Erst einmal geht es fast nur bergab. Nach einer Stunde fängt auch der Regen wieder an. Von nun an wechselt es eigentlich nur noch ab zwischen normalem Regen, Schauer und Niesel. So gegen 13:00 Uhr bin ich nach fast drei Stunden am Laden angekommen. Drinnen esse ich, gefühlt wohl, meinen fünfzigsten Hamburger. Mit zwei weiteren Riegeln gehts weiter gen Norden nach Hanover. Weiter Regen, volles Programm. Bei dem Wetter ist natürlich auch keine Sicht.  Zum nächsten Shelter geht es wieder vier Meilen rauf. Allerdings noch recht angenehm. Dort gibt es noch einmal eine Sitzpause im Trockenen. Die letzten knapp sechs Meilen sind zwar nur downhill, ziehen sich aber ordentlich. Um 19:30 trudel ich in Hanover ein. Kurz vorher wurde die Grenze Vermont / New Hamphire überschritten. In Hanover hört sogar der Regen auf. Na klasse, den örtlichen Outfitter gibt es nicht mehr. Hätte mir gerne für die nächste Etappe noch Fertigtütengerichte dort gekauft. Das einzige Motel hier in Ort ist mir zu teuer. Außerdem wusste ich, dass Sybil sich im Sunset Motor Inn ein Zimmer reserviert hat. Zum Glück, eine Mitfahrgelegenheit lässt nicht lange auf sich warten. Am Motel treffe ich auch das Pärchen aus Hamburg mit ihrem Hund wieder. Die Wäsche brauche ich hier nur an der Rezeption abgeben. Waschen, Trocknen, alles inklusive. Duschen gibt es später. Ich habe heute schon Wasser genug gehabt.  Ab hier soll es ja weiter in die Berge gehen. Ich nehme mir für Morgen eine Auszeit und bleibe zwei Nächte hier. Wir vier finden ein nettes Plätzchen hinter dem Motel mit Seeblick. Der Besitzer vom Motel wollte uns vor unseren Zimmertüren nicht haben, weil wir alle ne Flasche Bier in der Hand hatten. Ist hier in Amerika in der Öffentlichkeit verboten. An dem Picknicktisch ist es viel gemütlicher. Schnell fällt uns ein, dass man sich zum Motel noch Pizza liefern könnte. Als die Dunkelheit herein bricht verschwinden wir auf unsere Zimmer.