Tag 67: 19.06.2013 1082,7 von 2186 Meilen

In der Nacht regnet es kräftig. So muss das Zelt am Morgen wieder nass und dieses Mal dreckig angepackt werden. Den ganzen Tag über aber ist schönes Wetter. Nach drei Meilen komme ich mal wieder an einen schönen Aussichtspunkt. Kam in letzter Zeit ja nicht mehr so häufig vor. Liegt unter anderem auch daran, das Appalachen-Gebirge ist hier mitunter nicht einmal 600 Meter hoch. Meine Mentale Durststrecke der letzten Tage habe ich wohl auch überwunden. Nach 12 Meilen führt der Trail an einem Park mit einem Schwimmbad vorbei. Wenn es nicht schon fast 17:00 Uhr wäre, hätte man hier schön mal ‘ne Runde schwimmen gehen können. Aber es gibt ja auch noch eine Snackebar. Unter einem großen Baum haben sich schon einige Hiker bei Hamburger und Cola gemütlich ins Gras gelegt. Das lasse ich mir natürlich auch nicht entgehen. Danach soll’s aber auch noch zwei Stunden weiter gehen. Gegen 18:00 Uhr erreiche ich den nächsten Shelter und quatsche mich hier mit Turtle und Snail aus Hamburg fest. Das ältere Ehepaar ist den Trail schon im letzten Jahr gegangen. Da haben sie es aber nicht geschafft. So sind sie in diesem Jahr wieder hier und sind noch einmal von Vorne angefangen. Vielleicht erreichen wir ja zusammen morgen den Mittelpunkt des Trails. Um 19:00 Uhr raffe ich mich noch einmal auf. Ein kurzer Anstieg will noch zurück gelegt werden. Dann verläuft der Trail morgen fast den ganzen Vormittag auf einer Höhe. Unter einer Stromtrasse auf einer Wiese findet sich ein schöner Zeltplatz im Sonnenuntergang. Da mit Zelt aufbauen, Essen kochen und vor der Dunkelheit auch noch das Seil über einem Ast hängen soll, geht natürlich etwas schief. Während die Nudeln garen verknotet sich mein Seil oben im Baum. 5 Meter von der Schnur kann ich wohl noch retten. Damit kann ich meinen Bärenbeutel aber nirgends mehr aufhängen. Die 30 Minutennudeln haben übrigens trotzdem geschmeckt. Also muss der Bärenbeutel mal wieder im Zelt bleiben. Vielleicht passiert ja nichts. Das Zelt steht ja schließlich unter Strom.

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Tag 66: 18.06.2013 1064,6 von2186 Meilen

Ruhige Nacht. Alles trocken. Komme auch heute erst wieder um 8:00 Uhr los. Der Weg bleibt meistens steinig. Das soll ja noch 200 Meilen so weiter gehen. Auf dem Plan habe ich heute einen kleinen Stadtbesuch. Gegen 14:00 Uhr stoße ich an die Grenze nach Pennsylvania . An dieser Grenze trennen die Amerikaner den Süden und den Norden. Damit sind nun sechs Staaten durchwandert. An der Straße muss ich lange warten. Und der, der mich  in die Stadt fährt, hat hier selber erst gerade geparkt um ein wenig durch den Wald zu gehen. Ich nehme schnell mit meinem Rucksack auf dem Schoß Platz. Gut zehn Minuten später setzt er mich vor einem “All you can eat” Restaurant ab. Hier will ich es heute mal etwas gesitteter angehen lassen. Schließlich will ich nachher noch ‘ne Stunde weiter. Für 10,00 $ inklusive Trinken und über 2,00 $ Trinkgeld kann man nicht meckern. Gleich nebenan ist ein Walmart. Ich brauche noch Verpflegung für fünf Tage. Am Ende ist mein Bärenbeutel wieder reichlich voll. Lange nicht einen so schweren Rucksack gehabt. Dann wie ein Obdachloser vor dem Laden aus dem Einkaufswagen alles in den Rucksack umgepackt und die ganzen Verpackungen entsorgt. Wieder mit einem Pappschild ausgerüstet sitze ich schon auf dem Parkplatz bei Walmart im Auto zurück zum Trail. Nach kurzer Zeit kommt mir auch mein erster Fahrer entgegen. Mit dem noch festgequatscht. Aber um 19:15 Uhr komme ich am Shelter an. Besser gesagt gleich zwei Shelter. Was das soll? Keine Ahnung. Hier brennt ein schönes Lagerfeuer und hier bietet mir eine andere Hikerin an, mein Zelt gleich neben ihrem aufzustellen. Die Fläche ist für Zelte extra begradig worden.

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Tag 65: 17.06.2013 1047,5 von 2186 Meilen

Der Übernachtungsort war schon ziemlich  blöde. Ich will da auch wieder von abkommen, einfach am Wegrand zu campieren. Um 8:00 Uhr geht es weiter. Das Highlight des heutigen Tages folgt schon nach vier Meilen. Ein Campground ohne Gebühren bietet warme Duschen. Dazu Strom zum Handy aufladen und Waschbecken und Spiegel zum rasieren. Bei meiner letzten Dusche im Hostel hatte ich ja meinen Rucksack nicht dabei und musste das dreckige Zeug wieder anziehen. Hier kann ich das Zeug gleich mit waschen und gleich wieder anziehen. Danach komme ich am Washington Monument State Park vorbei. Hier ist in zwei Wochen am 4. Juli, dem “Unabhängigkeits Tag” der Teufel los. Heute verlaufen sich hier nur ganz wenige Touristen und einige Hiker. Apropos Hiker. Seit heute trifft man auch wieder öfter Weggefährten. Die letzten Tage habe ich manchmal gedacht es sind wieder irgendwo Trail-Days. Ich hatte mir am späten Nachmittag noch vorgenommen bis 19:00 Uhr zu gehen. Was natürlich nicht eingeplant war, dass zu diesem Zeitpunkt der Weg nur über Geroell und Felsbrocken führte. Keine Chance dort  irgendwo sein Zelt aufzustellen. Na gut. Was ich heute noch gehe, brauche ich morgen nicht gehen. Um kurz nach halb acht findet auch dieser Tag ein Ende. Allerdings dieses mal an einer Stelle, wo schon öfter Leute gezeltet haben.

Bild 1+2:  vom Monument

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Dieser Weg ist steinig und schwer.

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Tag 64: 16.06.2013 1032,0 von 2186 Meilen

Auch dieses Hostel ist wirklich empfehlenswert. Blitz blank sauber und man braucht nicht in seinem Schlafsack schlafen. Zum Frühstück heiße Waffeln mit frischen Erdbeeren, Bananen und Orangensaft. Um 9:00 Uhr war dann endlich offizieller Fototermin in der AT Conservancy. Hier wird jeder Thru-Hiker fotografiert und landet dann mit seiner laufenden Nummer im Fotoalbum für das Jahr 2013. Ich werde mit der Nummer 514 geführt. Thema German Claus muss sogar gestern hier gewesen sein. Er hat die Nummer 512. Hier im Büro bekomme ich natürlich auch meinen Rucksack wieder. Ungefähr 2 Stunden bleibe ich hier. Es gibt was zu trinken, telefonieren geht auch. Das Fotoalbum stöbere ich noch nach anderen Hikern durch. Einzig Hans (Jetu) finde ich wieder. Der war schon am 10.6. hier. Noch vor mir hätte hier sein können, Jey aus Süd – Korea. Ihn finde ich aber nicht. Irgendwann muss es auch wieder weiter gehen. Im örtlichen Outfitter will ich noch einige Sachen einkaufen. Der Laden ist aber irgendwie lächerlich. Mit zum Laden soll auch ein General Store gehören. Wohl die einzige Möglichkeit sich als Hiker mit Verpflegung einzudecken. Ich schätze auf 1 mal 2 Meter finde ich einen Karton mit Knorr Nudelgerichten, einige Müsliriegel und ‘nen kleinen Kühlschrank. Der Einkauf fällt entsprechend spärlich aus. Danach  geht es über eine Fußgängerbrücke über den Potomac River. Auf der anderen Seite bin ich im US-Bundesstaat Maryland angekommen. Das bedeutet, ich habe plötzlich schon fünf Staaten hinter mir. Um 18:00 schlage ich an einem eher schlechten Ort mein Nachtlager auf.

Bild 4: hier entsteht sogleich mein Nachtlager.SAMSUNG SAMSUNG SAMSUNG SAMSUNG SAMSUNG

Tag 71: 23.06.2013 1156,5 von 2186 Meilen

Nach meinem Restaurantbesuch gestern Abend, habe ich vor dem Motel noch erfahren, dass angeblich Morgen früh um 8:00 Uhr ein Shuttle in den Ort fahren soll. Also ist mein Rucksack um 7:45 Uhr gepackt. Als ich draußen die Treppe herunter gehe, steht ein anderer Motelgast vor seinem Pickup. “Wer nicht fragt zur rechten Zeit.”
Der Typ fährt zum Supermarkt. Und was fehlte mir gestern Abend noch. Um kurz nach 8:00 Uhr stehe ich bereits im Laden. Von den anderen Hikern habe ich heute keinen mehr gesehen. Der Typ ist mit dem Einkaufen auch etwas länger beschäftigt. Als ich ihn an der Kasse sehe bringe ich meinen Einkauf auch schnell zu Ende. Zufällig stehen wir dann beide wieder an seinem Wagen.
Jetzt fehlt mir nur noch ein Frühstück. Mit meinem Rucksack und den Einkaufstüten werde ich im Ort bei Goodies raus gelassen. Der Laden ist genau auf der anderen Straßenseite vom Hotel Doyle wo ich gestern keinen Platz mehr bekommen habe. Dort drinnen treffe ich den nächsten Deutschen hier auf dem Trail. Gefühlt müsste es die Nummer 25 sein. Nach einem Teller mit Bratkartoffeln wird draußen der Einkauf im Rucksack verstaut und die ganze Verpackung entsorgt. Um 9:30 Uhr sind es glaube ich schon 30 Grad. Nach eineinhalb Meilen am Ortsrand wird in ‘nem Truckstop noch telefoniert. Der Laden hat alles was das Herz begehrt. Auch einen Subway. Von hier nehme ich mir noch ein großes Baguette mit auf den Trail. Um 13:00 Uhr komme ich oben am nächsten Shelter an. Mir ist zu heiß zum Weiterlaufen. Auf meiner Isomatte gönne ich mir im Hochbett im Shelter ein kleines Nickerchen.
Um 15:00Uhr taucht plötzlich “Rolling R” hier oben auf. Wir hatten uns ja in Harpers Ferry kennengelernt. Ich habe mich sehr gefreut. Wir beschließen, uns am nächsten Shelter wieder zu treffen. Dort wird noch einmal warm gegessen. Um 19:30 Uhr brechen wir gemeinsam auf zur letzten Etappe. In drei Meilen kommt ein Aussichtspunkt. Hier bauen wir bei einbrecheder Dunkelheit die Zelte auf. Es ist heute herrlicher Vollmond.
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Tag 63: 15.06.2013 1019,0 Von 2186 Meilen

Im  Hostel habe ich im Mehrbettzimmer gut geschlafen. Um sein Frühstück muss sich hier jeder selber kümmern. Aber da sind ja noch Vorräte in meinem Rucksack. Schon gestern Abend habe ich mich für das  Slackpacking angemeldet. Die vom Hostel haben mir einen kleinen Rucksack geliehen, in den ich meine Verpflegung und was ich sonst noch brauche reinpacke. Mein eigener Rucksack wird nach Harpers Ferry in das Büro der “Trailverwaltung” gefahren. Dort muss ich bis 17:00 Uhr sein, um dort auch als offizieller Thru-Hiker mit Foto und laufender Nummer registriert zu werden. Das Ende des Roller Coaster zieht sich hin. Die einzelnen Hügel finde ich gar nicht so schlimm. Dass man die meiste Zeit über Steine läuft, macht die Sache für mich eher anstrengend. Schon am Vormittag, eher unscheinbar, passiere ich die 1000 Meilen Marke. Kein offizielles Schild, nur mit Kreide auf den Felsen gemahlt. Trotzdem hätte ich  nicht gedacht, dass das doch ein emotionaler Moment wird. Nun schon 1000 Meilen auf diesem verflixten Trailverwaltung gegangen zu sein. Auch für mich fast unvorstellbar. Die Zeit ist wie im Fluge vergangenen. Wie im Fluge verrinnt auch die Zeit heute. Jetzt bloß nicht noch irgendwo festquatschen. Ich treffe ein älteres Ehepaar aus dem Shenondoah NP wieder. Schnell von denen wieder ein Foto mit mir gemacht und weiter. Nach 10 Meilen wollte ich am Shelter gegessen haben, doch das muss aus zeitlichen Gründen ausfallen. Eigentlich schade. Den Shelter würde ich zu den schönsten auf dem Trail zählen. Und dann kommt es, wie es kommen musste. Hinter einer Straßenüberquerung auf dem Parkplatz, Trail-Magic. Ich sehe den großen Pavillon und die vielen Kühlboxen schon von Weitem. Es geht nicht anders. Hier muss gehalten werden. Die sind zwar schon beim Einpacken, aber an den Hamburgern komme ich nicht vorbei. Dazu noch ein kaltes Sportgetränk. Herrlich. Ab jetzt beschließe ich, nicht mehr weiter zu rennen sondern gemächlich bis zum Ende weiter zu gehen. Es hätte auch keinen Zweck gehabt. Der Weg wird wieder nur noch steinig. Kurz vor Harpers Ferry dann das nächste Highlight. Ich bin endlich raus aus Virginia. Der neue Bundesstaat heißt West-Virginia. Im eigentlichen Ort komme ich dann auch erst gegen 18:00 Uhr an. Der Ort ist ganz auf historisch getrimmt. Hier ist  vermutlich der amerikanische Bürgerkrieg ausgebrochen. Für alle Fälle hatte ich mich vorher schon für eine Unterkunft entschieden. Das Teahouse Hostel ist wohl der günstigste Ort am Platze. Hier treffe ich  im Garten “Rolling R”. Er ist mit seinem bayrischen Kumpel hier unterwegs. Hat aber am Fuß eine Verletzung. Sein Kumpel ist schon weiter gegangen. Jetzt ist gegen Festquatschen ja nichts mehr einzuwenden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sitzen wir draußen. Meinen Schlafsack vermisse ich in diesem Hostel nicht. Hier darf ich mir mit  frischer Bettwäsche mein Bett neu beziehen. Mal sehen, was ab Morgen die nächsten 1000 Meilen so bringen.

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Tag 62: 14.06.2013 998,6 von 2186 Meilen

Leider ist dieses heute ein sehr trauriger Tag. In der Heimat nehmen Herr Ahlers, Herr Martens und Opa Gehrke Abschied von Steffies Schlemmerbistro. Ich hoffe sehr, dass die drei bald eine neue Bleibe finden.

Im Shelter war es  eine ruhige Nacht. Obwohl  ein kleiner Fluss nur etwa 5 Meter vor dem Shelter vorbei fliesst. Alle haben artig geschlafen. Mein Aufstehen haben die anderen zwei anscheinend nicht bemerkt. Nach meinem Frühstück draussen am Tisch und beim Einpacken haben die jedenfalls noch geschlafen. Bis 12:00 Uhr sind zwar erst 9 Meilen geschafft. Trotzdem gibt es jetzt schon Mittag. Zum Shelter gehe ich nicht. Der liegt 0,2 Meilen vom Weg ab. In 0,4 Meilen kommt ein Fluss. Das muss heute auch mal gehen. Zum Glück findet sich ein kleiner Baumstamm als Sitzgelegenheit. Danach fängt hier bei Meile 989,1 der legendäre Roller Coaster ( Achterbahn ) an. Was da genau auf mich zukommt, weiss ich zwar auch noch nicht. Ich kann es auf dem Streckenplan nur erahnen. Auf 13,5 Meilen etwa 12 mal rauf und runter auf ordentlich Felsen und Geröll. Ich lasse es ruhig angehen und entscheide am späten Nachmittag, heute Abend im Bears Den Hostel abzusteigen. Hier gibt es für 30,00 $ ein Paket: Die Übernachtung im Hostel, eine Pizza, Getränke, Eiscreme, Duschen!!! und Wäsche waschen. So gegen 22:30 liege ich mit Ohrstöpseln in meinem Schlafsack und denke noch an die drei armen Kerle und an Steffie.

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Tag 61: 13.06.2013 980,3 von 2186 Meilen

Heute sollte laut Wettervorhersage der schlimmste der kommenden Tag sein. Also, beste Voraussetzungen, um wieder für einige Tage im Wald zu verschwinden. Bin schon vor dem Weckservice um 6:30 Uhr wach. Draußen ist es trocken. Nach einem schnellen Frühstück bin ich um 7:15 Uhr auf der Straße. Ich werde auch gleich mitgenommen, nur fährt der Typ an der Kreuzung geradeaus. Die Straße führt zwar auch zum Trail, dann würden mir aber ca. 8 Meilen vom Trail fehlen. An der  Kreuzung rechts ab. Hier  stehe ich  mir über 30 Minuten die Beine in den Bauch. Es ziehen schwarze Wolken auf, deshalb beeile ich mich,  um noch vor dem hereinbrechenden Schauer das andere Hikermotel im Ort zu erreichen. Bei meiner Ankunft treffe ich sofort Monster Cheese und seine Frau, sowie das Pärchen aus Hamburg wieder. Ich weiß erstmal gar nicht wie es weiter geht. So gegen 10:00 Uhr ist der erste Spuk vorbei. Stehe  wieder an der Straße und werde auch gleich mitgenommen. Um 12:00 erreichen ich den ersten Shelter fast trocken. Eigentlich Zeit, um warm zu Essen. Da sogar ein wenig blauer Himmel zu sehen ist, entscheide ich mich für eine kurze Pause und  esse die Tagesration an Snacks auf , bevor ich  mich zum nächsten Shelter aufmache. Noch einmal 5 Meilen. Dieses Mal schaffe ich es nicht ganz trocken. Aber das macht nichts. Ich hab schon 10 Meilen geschafft. Das hätte ich vor einigen Stunden nicht geglaubt. Nach dem Essen hat sich das Wetter auch wieder beruhigt. Warum nicht. Die nächste Etappe ist noch einmal 4,5 Meilen lang. Inzwischen habe ich einen Sektion-Hiker an den Haken. Er wandert von Shenondoah bis New York. Beim letzten Shelter hat er mir schon was von seinem Whisky angeboten. Ich habe dankend abgelehnt. Es bleibt tatsächlich trocken. Der Shelter dort ist nur für vier Personen und erst einer hat sich dort einquartiert. Mein neuer Mitstreiter zieht sich bei unserer Ankunft erstmal einen Joint rein. Ich glaube seine Whiskyflasche ist bei Einbruch der Dunkelheit auch leerer geworden. Zum Glück, dass er schon gesagt hat, er will Morgen erst gegen Mittag weiter gehen. Es wird trotzdem noch ein lustiger Abend mit dem durchgeknallten Typen.  Mit den Meilen heute kann ich mehr als zufrieden sein. Noch 40 Meilen bis Harpers Ferry.

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Netter Shelter. Sogar mit einer Bank mit Liegesitzen.

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Tag 59: 11.06.2013 965,1 von 2186 Meilen

Also, gestern Abend hätte mich auch keine heiße Schokolade mehr aufheitern können. So einen Tag hätte ich bitte nicht noch einmal. Die Nacht war dann widererwartend trocken. Und auch heute morgen war gutes Wetter. Das Zelt ist sogar fast trocken. Am Elkwallow Wayside, wo ich abends noch essen wollte, hätte ich heute Morgen auch Frühstück bekommen. Da habe ich  drauf verzichtet. Ich wollte gleich weiter. Gleich zu Beginn noch einen blöden Anstieg. An den Aussichtspunkten kann man sogar wieder in die Ferne schauen. Mit Wasser muss ich heute haushalten. Für ein  warmes Essen habe ich sogar extra etwas gebunkert. Die meiste Zeit ist heute sogar angenehmes Gehen. Am Nachmittag wurde es  schwül warm. Ich merke , dass ich eine Pause brauche. Gegen 20:30 Uhr komme ich erst an der Straße an. Auf der anderen Seite werden gerade zwei Hiker von einem Pickup mitgenommen. Mein lautes Pfeifen wird erhört. Ich kann die Straße nur nicht so schnell passieren. Hier ist  zu viel Verkehr. Die zwei Hiker hatte ich heute noch nicht gesehen. Wer weiss, wie lange die da schon stehen. Im Pickup ist vorne  alles voll. Ich “darf” hinten auf die Ladefläche. Der Fahrer fährt mich sogar zum Motel. So sind sie halt die Amis. Die zwei haben wohl ‘ne andere Unterkunft. Morgen mache ich wieder einen Tag Pause.

Tag 58: 10.06.2013 945,5 von 2186 Meilen

Den heutigen Tag muss ich leider zum bisher grausamsten Tag hier auf dem Trail erklären. Ich hatte mich gestern ja ziemlich dicht ans Skyland Ressort heran gearbeitet. Den Platz für mein Zelt fand ich auch ok. Ich ging also wieder runter von der Straße. Nachst kamen  fürchterliche Regenschauer herunter.   In der Ferne waren auch Gewitter zu hören. Beim Skyland Ressort habe ich mir im vornehmen Restaurant ein Frühstücksbuffet gegönnt. Nach kurzer Zeit kamen noch vier Hiker an, die genau wie ich, ziemlich nass geregnet waren. So gegen 13:00 Uhr hörten die  Schauer mal für zwei Stunden auf. Abends wollte ich eigentlich   noch einmal ein Restaurant anlaufen.  Das konnte ich aber frühzeitig streichen. War nur bis 19:00 Uhr geöffnet.  Gekocht wurde heute nicht. Zum Glück hatte ich genügend Snacks dabei. Die zwei Huts heute auf dem Weg bin ich  nicht angelaufen. Die liegen hier im Park immer mindestens 0,2 Meilen ab vom Trail. Das nasse Zelt habe ich  im abendlichen Regen aufgebaut. Ich war so froh, als das Zelt um 20:40 Uhr zu war und ich mich im Schlafsack verkriechen konnte. Das werden morgen noch 20 harte Meilen.