Tag 95: 18.07.2013 noch 513,5 von 2186 Meilen

In der Nacht war es einerseits angenehm windig und damit auch schön kühl, andererseits auch recht geräuschvoll in so einem engen  Nadelwald. Heute kommt  schon nach 3,5 Meilen ein schöner Badesee. Eigentlich viel zu früh am Tag. Aber so etwas nimmt man ab jetzt natürlich mit. Nach der kurzen Pause am See taucht auch Sybil wieder auf. Mit ihr bin ich gestern Abend noch die letzten Meilen zum Campground gegangen. Sie will den Trail eigentlich zur gleichen Zeit zu Ende bringen wie ich. Zur Mittagszeit bleibe ich am nächsten Shelter alleine zum Essen. Sie hat gestern gehört, dass in weiteren 3,3 Meilen ein weiterer See zum Baden einlädt. Dort auch angekommen, mache ich  noch eine gute Stunde Pause, bevor wir uns gemeinsam  noch einmal zu weiteren 5 Meilen aufmachen. Ob ich die alleine auch angefangen wäre, wage ich zu bezweifeln. Zum Glück entgehen wir zum Schluss noch einem Regenschauer. Um kurz nach acht Uhr sind die ersten 18 Meilen von einer langen Schlussetappe bewältigt.

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Übrigens, um Kunst zu bestaunen muss man nicht immer in die große Stadt fahren. So etwas gibt es hier auf dem Trail.

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Tag 94: 17.07.2013 noch 531,0 von 2186 Meilen

Um   8:30 Uhr habe ich  fertig gefrühstückt und alles wieder eingepackt. Wir sind dann auch gleich los. Das Auto, das Vanessa organisiert hat, hat natürlich keine Klimaanlage. Herrlich bei dem Wetter. Also die ganze Fahrt das Fenster runter. Auf der Tour habe ich  gleich Proviant für die nächsten fünf Tage zusammengekauft. Im 1,00$ Store habe ich mir in zwei Minuten vorsorglich eine  neue zweite Brille gekauft. Wo gibt es sowas schon, für die1,06 $ inklusive Steuern eine neue Brille. Im Outfitter in Manchester kriege ich einen neuen Hiking-Stock, gebraucht aus der Hikerbox. Auf dem Weg zum Trail gönne ich mir noch einmal Fastfood, natürlich bei ……
Um 14:25  Uhr sitze ich schon wieder per Anhalter in einem Wagen zurück zum Trail. Schon eine viertel Stunde später hat der Trail mich wieder. Und wie wir es noch aus Georgia oder North Carolina kennen, zwei Stunden nur bergauf. Ich freue mich, hier zu sein. Oben auf dem ersten Gipfel trüben nur die Bauten der Anlagen die Aussicht. So etwas passt natürlich hier gar nicht in die Natur. So werden es  am Nachmittag die ersten 7,1 Meilen auf meinem neuen Thru-Hike. Jetzt nur noch von Manchester nach Maine.

Bild 1: Der Anfang, hoffentlich vom guten Ende.

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Tag 93: 16.07.2013 1495,6 von 2186 Meilen

Ok, wir schreiben also den 16. Juli 2013.
Heute mal wieder um 7:00 Uhr los. Das Wetter bleibt stabil. Es wird wieder brühtend heiß. An einem Wasserfall gönne ich mir sogar eine Badepause. Zum Glück ist immer genug zum Trinken da. Den nächsten Shelter lasse ich aus. Der liegt 0,5 Meilen ab vom Trail. Weiß gar nicht wer sich dort hin verirrt.
Ja, und dann ist es 15:21 Uhr. Salisbury CT. US 44. Ich muss sagen, mit großen Emotionen verlasse ich hier den Appalachian Trail als Thru-Hiker. In den letzten Tagen haben viele Varianten wie es weiter geht, durchgerechnet. Dass ich in 4 1/2 Monaten den Thru-Hike schaffe, war von vorn herein ein schwieriges Unterfangen. Ich bin in dieser Zeit sehr flink vorran gekommen. Um den Trail aber trotzdem für mich zufrieden zu beenden, musste langsam eine Entscheidung her. Die Möglichkeiten alle aufzuzählen, die ich  in Erwägung gezogen habe, würde ewig dauern. Gestern hat mir sogar noch eine Hikerin vorgeschlagen, zum Mt. Katahdin zu fahren und bis zum Abreisedatum rückwärts (southbound) zu gehen. Nun bin ich hier in Salisbury zufälligerweise im Vanessa Breton Hostel untergekommen. Die Besitzerin hat sich auch ganz rührend um mich gekümmert. Für Morgen früh 9:00 Uhr hat sie nun ein Auto organisiert und fährt mich selber 100 Meilen nordwärts in den Ort Manchester im Bundesstaat Vermont. Dort soll es dann bei Meile 1647,8 weiter gehen. Was allerdings auch bedeutet Morgen Abend werde ich wohl schon einmal wieder über 1000 Höhenmeter in die Ferne geschaut haben.

Also, mir geht es gut. Ich freue mich auf Morgen. Und auch wenn ich den Salisbury Hill hier nicht gefunden habe. Dieser Ort wird mir ewig in Erinnerung bleiben.

Bild 4: hier hätte ich rechts ab gemusst.
Bild 5: und dann immer gerade aus.

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Tag 92: 15.07.2013 1482,3 von 2186 Meilen

Komme heute, warum auch immer, erst um 9:00 Uhr los. Fatal natürlich bei der Hitze.
Es sind genau 10,00 Meilen bis zum nächsten Shelter. Nach zwei Stunden wird an einem grösseren Fluss erst einmal für ne viertel Stunde eine Fußpflege eingeschoben. Erst um 16:00 Uhr sind diese 10 Meilen abgelaufen. Eigentlich viel zu spät für eine Mittagspause. Aber irgendwann muss ja mal gegessen werden. Danach noch schön ne Runde hingelegt. Dabei fällt mir unglücklicherweise ein Brillenglas aus der Fassung. Zum Glück bin ich dieses Mal nicht alleine am Shelter. Ein scheinbar recht geschickter Hiker-Freund kann mir in dieser misslichen Lage erfolgreich weiter helfen. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir wohl noch eine Zweite besorgen müssen. Da das Wasser hier am Shelter auch wieder recht gefärbt aussieht, entschließe ich mich noch 2,5 Meilen zu einem Campground weiter zu gehen. Wie sich bald herausstellt, mit Erfolg. Nur werde ich hier wieder einmal alleine unter den Bäumen campieren. Leider lässt sich hier kein geeigneter Stein finden um mein Seil über einen Ast zu werfen. So entscheide ich: In Connecticut gibt es keine Bären. Der Beutel bleibt wieder mal im Zelt. Zur Absicherung lege ich meine durchgeschwitzten Sachen darüber.

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Tag 91: 14.07.2013 1469,9 von 2186 Meilen

Heute startet für mich der vierte Monat, und ich fälle für mich persönlich eine schwere Entscheidung. Ich trenne mich nach drei Monaten von meiner Trinkflasche. Ich habe sie mir am 13. April im “Super Target” in Atlanta GA. gekauft.
Ich hoffe, dass sich am Trail in nächster Zeit wieder etwas ändert. Der Trail wird hier in den Niederungen der Appalachen langsam langweilig. Die Zivilisation ist so dicht. Da liegen manchmal Shelter gerade 0,3 Meilen von der Straße weg. Manchmal kreuze ich kleine Straßen, wo ich dann links und rechts die amerikanischen Briefkaesten sehe. Wenn ich dann noch ne Email für mein Tagebuch auf dem Smartphone habe, setzte auch schon mal den Rucksack ab und gehe die Straße entlang und suche nach einem offenen Netzwerk. Hat bisher immer geklappt. Die letzten Tage würde daher auch eher als Arbeitstage bezeichnen. Der Tag heute wird wieder sehr anstrengend bei heißem Wetter. Erst um 14:30 Uhr gibt es Mittag. Danach noch ein kleines Nickerchen. Um 16:00 Uhr schnalle ich noch einmal den Rucksack für 7,3 weitere Meilen über. Um diese Zeit haben es sich drei junge Mädels mit ihren Zelten schon neben dem Shelter gemütlich gemacht und genießen den Tag.
Auf dem Weg zum nächsten Shelter wird wieder geklappert. Habe mich natürlich ordentlich erschrocken. Dieses Mal lag sie auch auf dem Weg genau vor mir. Nach etwa zehn Minuten hatte sie sich auch verzogen. Erst um 20:30 Uhr komme ich am Shelter am. Um diese Zeit bricht hier bereits die Dunkelheit heran. Ich schlafe mal wieder auf der Platte. Ein anderer Hiker liegt um diese Zeit schon bettfertig in seinem Schlafsack.

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Tag 90: 13.07.2013 1451,4 von 2186 Meilen

Nach dem Frühstück sind fast alle Essenvorräte aufgebraucht. Gegen 13:00 koche noch einmal Nudeln, bevor ich kurze Zeit später an der Haltestelle Appalachian Trail ankomme.Von hier aus könnte ich in zwei Stunden in Manhattan sein. Und in einer weiteren Stunde wahrscheinlich am JFK Airport sein und wieder nach Hause fliegen. Will ich aber noch nicht. Gegen 16:30 Uhr ist auch die Grenze nach Connecticut überquert. Um 17:00 Uhr ist Schluss für heute. Auf einem kleinen Schotterparkplatz frage ich so’n Typen, ob er mich zum Supermarkt in den Ort fahren kann. No problem. Ich bin zwar schon in Connecticut, der Ort mit dem Supermarkt und meiner Motelübernachtung liegt aber wieder in New York. Supermarkt hört sich auch toll an. Der Laden  hat leider auch nicht viel zu bieten. Also “back to the roots”. Es müssen wieder Spaghetti mit Ketchup gegessen werden. Und auch dieser Einkauf wird nicht billig. Genau  wie die Übernachtung. Ich glaube zu Anfang in Franklin und Gatlinburg habe ich nicht einmal die Hälfte bezahlt. Aber es geht ja noch weiter Richtung Norden. Das Ende ist in der Hinsicht noch nicht erreicht. Das Wifi funktioniert im Motel auch nicht. Aber da lässt sich sicher noch was an der Straße finden. Ein anderer Section-Hiker, den ich gestern am letzten Shelter getroffen habe, läd mich noch auf ein Bier und  ein  Abendessen ein. Damit ist der dritte  Monat auf dem Trail auch beendet.

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Tag 89: 12.07.2013 1436,6 von 2186 Meilen

Heute, ausnahmsweise, schon um 7:00 Uhr unterm Rucksack. Am RPH Shelter soll es die nächsten drei Tage BBQ geben. Na, dann mal nix wie  hin. Bin schon um 10:30 Uhr da. Große Enttäuschung. Noch kein Grill an. Ich darf mich am Tisch selber bedienen. Dort liegen aber “nur” Äpfel, Orangen, Schokolade und Flaschen mit Sportgetränken. Ich kann mich da zwar ganz nett mit einem der Helfer unterhalten. Damit ist der Grill aber immer noch nicht angezündet. Nach etwa einer dreiviertel Stunde mache ich mich mit wässerigem Mund wieder auf den Weg. Am Abend erzählt mir doch eine nette Hikerin, dass sie dort zwei Hamburger und zwei Hot Dogs gegessen hat. Schönen Dank. Für Morgen habe ich meinen Plan geändert. Ich will Morgen schon in die Stadt. Meine Sachen müssen mehr als dringend in die Wäsche. SAMSUNG SAMSUNG SAMSUNG SAMSUNG

Freiwillige Helfer auf dem Appalachian Trail bauen eine neue Brücke.

Tag 88: 11.07.2013 1419,6 von2186 Meilen

Müde geht’s um 8:00 Uhr heute weiter. Müde, weil mein Campground ja nur 1,6 Meilen vom Nordende der Brücke entfernt ist, übernachte ich hier doch sehr stadtnah. Die ganze Nacht fahren da unten die Züge lang und machen beim Überqueren der Straße immer ihre Sirene an. Den ganzen Tag gibt es heute eigentlich nichts zu sehen. Außer die Tankstelle heute Morgen, wo ich mir meine Verpflegung für die nächsten drei Tage kaufen muss. Einen Hiker sehe ich heute den ganzen Tag, und den auch noch vor meinem Abmarsch. Seltsam. Übernachten wollte ich abends auf einem Campground mit Duschen. Dazu müsste ich entweder eine Meile vom Trail dort hinmarschieren oder trampen. Ist hier in New York aber verboten. Ich versuche es trotzdem. Ich  gehe dann aber doch noch fast zwei Meilen weiter und schlage mein Zelt wieder irgendwo im Wald auf.

Tag 87: 10.07.2013 1401,8 von 2186 Meilen

Weiß gar nicht, ob ich mich heute Abend noch als Thru-Hiker bezeichnen darf. Aber der Reihe nach.
Kann mich fast nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal im Shelter geschlafen habe. Muss die Nacht mit dem ordentlichen Gewitter gewesen sein. Der Shelter war zwar nicht gerade sauber, aber gut geschlafen habe ich trotzdem. Wasser ist heute wieder ein Thema. Die anderen Zwei haben mir gestern Abend noch über einen halben Liter geschenkt. Wollte ich erst nicht annehmen. Hatte eigentlich genug. Na ja, nur gut. Nach einer guten Stunde gönne ich mir endlich mal eine Pause zum Blaubeeren essen. Die Dinger hier sind zwar viel kleiner als bei uns im Laden, schmecken aber köstlich. Nur sind die meisten schon abgefressen. An manchen Stellen, wo die Bären scheinbar nicht vorbei kommen, findet man die Büsche auch noch richtig voll vor. Vom Black Mountain wird einem ein Blick auf die Skyline von Manhattan versprochen. Leider ist es heute sehr diesig. Man kann die Skyline wohl erahnen. Nach gut drei Stunden muss eine Hauptstraße überquert werden. Hier soll es in 0,4 Meilen ein Visitor Center mit Getränkeautomat und Wasser geben. Automaten stimmt auch. Nur die Wasserversorgung ist defekt. Die Toiletten sind auch geschlossen. Die Getränke am Automaten sind natürlich schweineteuer. Die Frau vom Center schenkt mir sogar noch eine Flasche aus ihrem Kühlschrank. Ob das reicht auf sieben Meilen? Nach einer Stunde kommt noch einmal ein erlaubtes Loch mit Wasser. Sieht eigentlich nicht schön aus. Ist aber ganz klar und dazu noch schön kalt. Jetzt verdurstet hier wohl keiner mehr. Zum frühen Abend hin komme ich in den Bear Mountain Park. Das besondere an diesem Park, er liegt vor der Bear Mountain Bridge, der Brücke, die über den Hudson River führt. Und der Trail führt hier durch einen kleinen Zoo. Wer auf dem Trail bis jetzt noch keinen Bären gesehen hat, soll hier endlich in den Genuss kommen. Aber hier liegt der Hase im Pfeffer. Bei meiner Ankunft um kurz nach fünf, ist der Zoo schon geschlossen. Es gibt zwar eine Alternativroute die auch nicht kürzer ist, aber der Zoo ist eigentlich Kult. Mir bleibt nichts anderes übrig. Im Park auf ner Bank will ich auch nicht schlafen. Hätte ich bloß keine Blaubeeren gegessen. Gegen 18:00 Uhr überquere ich den Hudson River und schlage nach weiteren 1,5 Meilen mein Nachtlager auf.

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Tag 86: 09.07.2013 1384,0 von 2186 Meilen

Solche Leute wie Susan & John sind schon der Wahnsinn. Morgens noch lecker Rührei und Schinken gegessen. Bevor wir wieder los fahren, möchte ich ihm für meine Übernachtung was bezahlen. Er lehnt ab. Auf dem Wohnzimmertisch lasse ich trotzdem einige Scheine liegen. Als ich wieder auf dem Trail bin und noch etwas aus meinem Rucksack kamen will, merke ich, dass mein Essenbeutel gar nicht da ist. Zum Glück habe ich ne Visitenkarte. 15 Minuten später sehen wir uns noch einmal wieder. Hab den Beutel in seiner Garage liegen gelassen. Leider habe ich seit dem langen Samstag Probleme mit meinem linken Fußgelenk. Habe mich Ende der Woche noch so gut gefühlt.Heute komme ich die kurzen Anstiege nur schleppend hoch. Hinter dem ersten Hügel schon wieder ein Bär.  Ein weiteres Highlight heute. Die kleine Badeeinheit im See. Danach schleppe ich mich zum nächsten Shelter. Es ist 17:00 Uhr. Eigentlich will ich nach dem Essen noch weiter. Habe aber irgendwie keine Lust mehr. Nach kurzem Zureden der anderen bleibe ich für die Nacht hier im Fingerboard Shelter. Von hier über den Hudson River sind es noch 15 Meilen. Die würde ich gerne Morgen schaffen.

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