Wort zum Sonntag

So, nun geht’s los - sogar noch eine Woche früher als geplant. Danke, dass sich das Reisebüro noch so ins Zeug gelegt hat. Mit 4 Wochen „Erholungsurlaub“, drei Wochen angesparten Überstunden und den 3 Monate unbezahlten Urlaub, die mein Arbeitgeber mir gewährte, habe ich 137 Tage für 3500 km.

Aber, warum macht „Mann“ so etwas?
Habe mal irgendwo gelesen: dann, wenn man ganz, ganz viel Zeit hat, oder man total am Ende ist. Dass ich so wahnsinnig viel Zeit habe, kann ich nicht behaupten. Aber ich hoffe, dass nach dieser Wanderung meine ZEIT erst noch kommen wird. Die Menschen, die mich wirklich kennen, wissen, dass es für mich ein steiniger Weg war, zu erkennen, dass ich eher Zeit brauche – und als ich dies erkannt habe für diese Zeit kämpfen musste. Dies ist ein Weg zu mir, ich hoffe, dass ich mein Ziel erreiche.

Habe das Visum im November beim persönlichen Termin in der US Botschaft in Berlin bekommen. Allein darüber könnte man jemandem schon eine ”Gute-Nacht-Geschichte” erzählen. Für mich ein spannender Kurztrip in die Hauptstadt. Schließlich ist man da auf das Wohlwollen des Botschaftsmitarbeiters angewiesen. Aber der will einem eigentlich ja auch nichts Böses. Aus der Botschaft war ich nach ca. 1 Stunde wieder draußen. Das Gespräch hat gefühlte drei Minuten gedauert. Aber meine Freude über die Bestätigung war schon riesengroß.

Meine Habseligkeiten für die Wanderung wurden im letzten halben Jahr zusammen gesucht. Mein Einmann-Zelt und den Schlafsack habe ich Online in USA gekauft und mit Kreditkarte bezahlt. Eine befreundete Familie in den USA konnte ich als Bestelladresse angeben. Zu ihrem Weihnachtsbesuch in Bremen haben sie die Sachen sogar mitgebracht. Ansonsten verzichte ich auf teuren Schnickschnack. Ne „Jacke aus Wolfhaut“ kommt mir jedenfalls nicht in den Rucksack. Mein Rucksack wiegt trotzdem bei der Abreise noch ca. 10 Kilo ohne Wasser und Verpflegung. Ob ich da doch noch auf irgendetwas verzichten kann. Schaun mer mal.

Erster Anlaufpunkt Drüben soll das Hikerhostel von Leigh & Yoshua sein. Dort gibt’s ein Hikerspecial. Man wird von denen an der U-Bahn Station abgeholt. Hat ’ne Unterkunft im „Großraumschlafsaal“. Schnarchnasen inklusive. Die erste Einstimmung auf das Hikerleben in den nächsten Wochen. Am nächsten Morgen gibt’s noch Frühstück und man wird zum Trail gefahren. Das Paket kostet 80,00 $.

Die Verpflegung für die ersten 5-6 Tage, geplant bis Franklin NC.,  wird  im Supermarkt gekauft. Da ich, was das Essen angeht, nicht besonders anspruchsvoll bin, werden Spagetti für diese nächsten Tage zum Grundnahrungsmittel werden. Zum Frühstück soll’s Müsli mit Wasser und Milchpulver, Früchtetee und zwischendurch Snikers und Schokolade geben.

Ich werde nicht, wie viele andere Hiker, mit Walkingstöcken unterwegs sein. Ich glaube auch, dass Uwe, Harald und Stephan es mir nicht verzeihen würden. Will aber nicht ausschließen, meine Meinung noch zu ändern, — wenn keiner guckt. Grüße an Achim A.

Am Ende dieser Zeilen möchte ich jedem User dieses Blogs noch viel Spass wünschen. Den hatte ich jedenfalls im letzten Jahr, als ich ein halbes Jahr die Deutschen Socks, Slowfoot und Sonic auf ihrem Weg verfolgen durfte. Aber eines möchte ich noch vorweg nehmen. Besonders wichtig ist es mir nicht, im Jahr 2013 den AT als Thru-Hiker zu finishen. Ich möchte in den nächsten 4 ½ Monaten so viele Meile wie möglich auf diesem Trail zurücklegen. Und hoffentlich wird mir irgendjemand da oben im Himmel ja auch erlauben in der letzten Augustwoche in Maine auf dem Gipfel des Mt. Ka. zu steigen.

 

 

So, und jetzt rein in meine Wanderstiefel und……

8 Gedanken zu “Wort zum Sonntag

  1. Hallo Jochen, wir trafen gestern Ihre Eltern in Katzwang nahe Nürnberg. Sie erzählten uns von Ihrem großen Abenteuer. Wir sind sehr, sehr beeindruckt, umso mehr als wir gerade den Film über die Wanderung auf den Appalachian Trail gesehen haben und ein bisschen mit den Heldinnen und Helden mitgelitten haben in nassen, kalten Nächten und bei mehr als frugalen Mahlzeiten. Aber wir waren auch sehr beeindruckt von dem Durchhaltevermögen der Menschen und von ihren durchaus auch positiven Erlebnissen wie wunderschöne Aussichten, wie Treffen mit Gleichgesinnten und ihren Geschichten, wie das Auffinden einer Lodge, die ein tolles Essen verspricht und vielleicht auch ein warmes, trockenes Bett. Ebenso sind wir begeistert von Ihrem Mut einfach mal auszusteigen, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen, von dem ich finde, dass er nicht gerade ein Spaziergang durch eine grüne Auenlandschaft ist. Er ist oft sehr steil und steinig, und häufig heult einem der Wind um die Ohren. Ihnen ganz großes Kompliment und unsere Hochachtung!!!! Machen Sie es weiter sehr gut, behalten sie die Kraft und die Ausdauer aber auch viel Freude und Humor, ebenso wie viele schöne und gute Begegnungen. Wir werden Sie weiterhin begleiten und freuen uns, schon bald wieder von Ihnen zu hören. Bis dahin bleiben wir Andi und Uschi.

  2. Hallo Jochen, wir haben erst heute von Dir erfahren und Dein Tagebuch gelesen, wußte ja gar nicht richtig, was Du vorhast, aber toll, unseren Respekt hast Du, wir werden Dich weiterhin verfolgen, schön, das Du uns teilhaben läßt.
    Wir wünschen Dir weiterhin viel Kraft, das Du es schaffst, und wir sehen uns dann hier hoffentlich wieder !
    Gruß von Conny und Sternie

  3. Moin, vor zweiundzwanzig Jahren ( 22 ) haben wir uns in New York kennengelernt,
    dann der Trip nach Brüssel ( 3:13 h ) und irgendwann trennten sich unsere Wege, vorher noch Dein Anruf aus dem Krankenhaus in Deiner Vorbereitungsphase auf Roth … Ei, Ei, das waren Zeiten. Und nun, fast zwanzig Jahre später bist du auf einem erlebnisreichen Trip durch die Staaten. Sind vor zwei Jahren entlang die kalifornische Küste von Canada bis Mexico. Wir wünschen Dir weiterhin alles Gute und hoffen, dass sich unsere Wege bald wieder kreuzen, nicht erst in zwanzig Jahren. D&G

    • Hi D&G,
      Moment, kennen gelernt haben wir uns schon ein paar Stunden vorher auf dem Bremer Flughafen.
      Und, wir wollen ja nicht schummeln. Bruessel 1992 waren 3:14:08. Werde ich nicht vergessen.
      Haette ich ohne Dich nicht geschafft.
      See you
      Bird

      • Moin moin, nein, dieser Kurztrip nach Brüssel war schon einprägsam, allein die letzten Meter des Marathons .. Du hättest es auch ohne mich geschafft. We wish you all the best, enjoy the time there. D&G

        • Ja, und dann dieser Typ der auf den ersten Metern schon so geschnauft hat. Und auf der Zielgerade überholt der Bursche uns noch.
          Ich muss weiter.
          LG Bird

  4. Hey Bird
    wenn deine Schuhe sprechen könnten…..Das Bergfest liegt nun auch schon hinter Dir. Also auf zum Endspurt Kumpel. Hier in old Germany liegt das Bergfest auch bereits hinter uns. Die Tage werden leider schon wieder kürzer, obwohl der Sommer eigentlich noch gar nicht richtig da war. Auf der anderen Seite kehrt langsam der Alltag zurück und Werder hat seine Spieler wieder in den Norderneyer Sand geschickt. Wir verfolgen Dich auch weiterhin. Behalte die Orientierung und bleib gesund. Lieben Gruß Heiko

    • Hallo Heiko,
      ja spurten wuerde ich ja gerne mal wieder einen Tag.
      Aber der Weg erlaubt es leider nicht. Schön von dir zu hören. Halte durch.
      Gruß Bird

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