Tag 120: 10.08.2013 noch 180,1 von 2186 Meilen

Das Wetter klart tatsächlich heute auf. Ich lasse mir Zeit beim Aufstehen. Brauche ja kein Zelt zusammenräumen. Der 4000er stand  auch nicht gestern auf dem Programm, sondern erst heute. Und der 4000er sind auch Zwei kurz hinter einander. In dem kleinen Talabschnitt sind  Campgrounds angelegt. Weil es dort so sonnig und manchmal auch recht windstill ist, schlagen wir dort auf zwei Plattformen unsere Zelte auf. Ich komme damit heute auf eine zurückgelegte Strecke von sage und schreibe 3,0 Meilen. Darum gönne ich mir nach dem Zeltaufbau  ein ausgiebiges Sonnenbad auf meiner Isomatte. Morgen sollen es  aber mal wieder 10 Meilen werden. Als die Sonne verschwunden ist von meiner Plattform, wird es auch merklich kühler. Gegen 19:15 Uhr mache ich mich noch einmal auf den Weg. Allerdings ohne Rucksack. Vom nächsten Berg, nur 0,3 Meilen entfernt, möchte ich noch den Sonnenuntergang fotografieren und muss dabei in Kauf nehmen, vor dem Schlafengehen noch einmal richtig durchzufrieren.

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Tag 119: 09.08.2013 noch 183,1 von 2186 Meilen

Heute Morgen hat es erst einmal ordentlich gegossen. Scheinbar sind auch viele Hiker im Ort geblieben, denn heute Nachmittag soll es noch einmal kräftig regnen. Ich bleibe jedenfalls nicht da, sondern will zum nächsten Shelter. Um 10:00 Uhr stehe ich an der Straße, aber keiner nimmt mich mit. Es beginnt wieder zu regnen. Da ich vor der örtlichen Bibliothek stehe, bietet es sich an, hier Schutz zu suchen. Als ich endlich zurück auf dem Trail bin, muss ich schon feststellen, da geht nicht mehr viel. Die Strecke zum Shelter ist nur fünf Meilen. Ich glaube, ich brauche fast drei Stunden. Ok, der Weg geht nur bergauf. Morgen geht es das letzte Mal über 4000 ft. Am Shelter angekommen bin ich wenigstens froh, nicht durchgeregnet zu sein. Zum Abend zeigt sich mal kurz der blaue Himmel. Ansonsten bleibt es nebelig und trübe. Ein ziemlich ungemütlicher Tag.

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Tag 118: 08.08.2013 noch 188,0 von 2186 Meilen

Die White’s wären hier eigentlich noch 21,1 Meilen weiter gegangen und auch danach wäre der Trail erst einmal nicht einfacher geworden. Wir haben beschlossen aus Altersschwäche auf die nächsten 131,2 Meilen zu verzichten und trampen die NH16, ME16 gen Norden in den Ort Stratton ME. Ich hoffe, hier ist mir niemand böse. Von hier soll jetzt aber wirklich nichts mehr ausgelassen werden. Auf dem Weg in den letzten Ort, Monson ME liegen einige Shelter und Campgrounds am See oder an Flüssen. Wahrscheinlich bin ich dann am 15.8. in Monson. Was sicherlich auch bedeuten wird, dass ich bis dahin kein Internet haben werde. (vielleicht noch einmal in vier Tagen in Caratunk ME, um Nachschub einzukaufen)

Da ich unbedingt noch ein Moose sehen möchte, frage ich im Moment hier alle Southbounder aus, wo sie einen gesehen haben. Zwei Notizen konnte ich jedenfalls schon machen. In Gorham gab es dann auch sicher den letzten Walmart auf dem Trail. Ich hoffe, dass die letzten Läden bis Mt. Kathrin mich, was das Essen angeht, noch bei Laune halten können. In Stratton angekommen konnte man auf dem Weg hier her gut erkennen, dass man nun wirklich langsam am A….. der Welt ist. Obwohl ich diesen kleinen Ort hier eigentlich ganz nett finde. Und die Unterkunft ist für unsere Verhältnisse auch recht gut und günstig. Nach einer Weile habe ich den Eindruck, dass hier so an die 20 / 30 Hiker hier rumlaufen. Das Wetter soll morgen und übermorgen nicht ganz so gut sein. Hoffentlich schaffen wir es trocken zum ersten Shelter in fünf Meilen.

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SAMSUNGBild 1: Frühstück, Mittag und noch mehr.

Tag 117: 07.08.2013 noch 319,4 von 2186 Meilen

Als alle gegessen hatten, haben wir Hiker auch noch Reste bekommen. Fünf Hiker sind wir inzwischen, plus drei Leute, die WFS machen dürfen. Kurz vor Sonnenuntergang kommt Restless Cowboy aus Jena hier an. Er ist der Dritte. Eigentlich ändert sich zu den letzten Unterkünften nur Eines. Ich brauche nicht arbeiten.

Rückblickend auf den gestrigen Tag, würde ich Diesen wohl in die Top Drei hier auf dem AT wählen.

Am Morgen esse ich meine letzten Sachen die ich noch zum Frühstücken habe. Noch zwei Kaffee in der Hut, und dann wieder raus bei fast wolkenlosem Himmel. Die Strecke hätte ich gestern mit dem besten Willen nicht mehr geschafft. Am Nachmittag um 15:00 Uhr ist der Weg zur Straße nach Gorham NH geschafft. Ich/ wir beenden damit das Kapitel White Mountains. Ein Shuttle bringt uns zum Motel in den Ort. Am Abend ist noch einmal Sattessen beim Chinesen angesagt.

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Tag 116: 06.08.2013 noch 327,2 von 2186 Meilen

Hatte mir gestern Abend mit zwei Sitzbänken einen netten Schlafplatz direkt am Fenster eingerichtet. Weit weg von Küche und dem allgemeinen Durchgang. Die Gäste müssen hier nämlich am Speiseraum vorbei, von ihren Schlafräumen zur Toilette. War ne nette, ruhige Nacht mit sternenklarem Himmel. Heute Morgen fast keine Wolke am Himmel. Gefrühstückt haben wir unser eigenes Zeug und um 7:00 Uhr gings ab auf den Mt. Washington. 1,3 Meilen bergauf. Da unsere Unterkunft ja schon auf 5100 ft. liegt sind es nur etwa 300 Höhenmeter. Noch vor dem ersten Zug der die Touristen nach oben karrt sind wir oben. Fast windstill. Eine super Sicht. Ein Typ da oben erzählt sogar, dass es jedes Jahr weniger als 20 solcher Tage geben soll. Da kann man wohl auch über den einen oder anderen Regentag hinweg sehen. Aussichtspunkte gibt es hier natürlich ohne Ende. Nach einigen weiteren Bergen kommen wir um 16:30 Uhr an der nächsten Hut an. Mir schmerzen meine Plattfüße durch das ständige Herumspringen über die Felsbrocken. Es wird zwar schon langweilig, aber auch hier frage ich nach “Work for stay”. Die nächsten drei Meilen geht es nur steil bergab. Das wollte ich mir nicht mehr antun. WFS bekomme ich zwar nicht, kann aber für 10 $ noch einmal auf der Bank schlafen. Sybil läuft derweil weiter. Sie will Morgen am nächsten Campground warten.

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Tag 115: 05.08.2013 noch 334,2 von 2186 Meilen

Hier im Hut gingen gestern Abend um 21:30 Uhr die Lichter aus. Dann laufen hier alle mit ihrer Kopflampe rum. Ist aber auch sehr leise dann. Für mich aber das Zeichen, mein Nachtlager zwischen den Sitzbänken einzurichten. Gleich einschlafen konnte ich aber nicht. War wahrscheinlich noch zu vollgefutter vom späten Abendessen. Um 5:30 Uhr ging an meinem Fußende das Gewusel in der offenen Küche los. Um 6:30 Uhr sind die Leute in ihren Schlafsälen mit Gitarre und Gesang geweckt worden. Ich habe ein wenig beim Tischdecken geholfen. Später noch den Spieleraum aufgeräumt und ausgefegt. Als die meisten Gäste dann gegangen waren, noch im Stehen in der Küche was gefrühstückt. Habe mich riesig gefreut, dass ich den Job hier machen durfte. Das gehört zum Trail einfach dazu. Habe mich darum beim Trinkgeld auch nicht lumpen lassen. Um 9:00 Uhr wollten wir eigentlich weiter. Als ich bei Sybil am Zelt vorbei schaue, hat sie aber wohl noch geschlafen. Die Wettervorhersage für heute ist nicht besonders gut. Da wir knapp 6 Meilen vor dem Mt. Washington sind, machen wir wohl heute schon in der nächsten Hut stop. Die “Lake of the Clouds Hut” soll die schönste Unterkunft hier in den White’s sein. Mal sehen, ob es da heute Abend auch etwas zum Arbeiten gibt. Gegen 10:00 Uhr geht es dann doch endlich los. Leider ist der Himmel total bewölkt, noch dazu ist es hier in den Bergen natürlich sehr windig. Da wir in der nächsten Hut ja wieder “Work for stay” machen wollen müssen wir es recht langsam angehen lassen. Man darf sich dort nicht vor 16:30 Uhr vorstellen. Nach und nach lockert die Bewölkung auf. Am Nachmittag erstrahlt der Mt. Washington sogar in wolkenlosem Himmel vor uns. Um 15:15 Uhr stehen wir kurz vor der Hut. Also erst mal wieder umkehren und dann noch ne Stunde bei Sonne und kaltem Wind hinter dem Mt. Monroe abhängen. Wir sind dann die ersten Thru-Hiker und kriegen einen Platz. Müssen dann aber wieder bis 19:30 Uhr warten bis die Gäste gegessen haben. Ganz egal ob ich gestern schlecht geschlafen habe – gegessen wird was rein geht. Jetzt weiß man auch schon wo das Eine oder Andere steht. Zum Ausklang noch drei heiße Schokolade. Unser Job war dann schon heute Abend erledigt. Wir sollten die ramponierten Rückseiten der Gästebücher aus den 80er Jahren mit durchsichtigem Klebeband wieder aufmöbeln. Um 22:00 Uhr habe ich es mir diese Nacht auf zwei Sitzbänken gemütlich gemacht.

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Tag 114: 04.08.2013 noch 339,0 von2186 Meilen

Es wird wieder 8:00 Uhr. Bin morgens immer noch zu müde, um früher aufzustehen. Die Nacht musste es noch ein wenig regnen. Das Zelt war wieder recht luschig gespannt. Also noch mal raus. War aber nicht schlimm. Die ersten Meilen heute gehen die meiste Zeit flach oder mit leichter Steigung nach oben. Weiß gar nicht wo es auf dem ganzen Trail mal so ein langes angenehmes Stück gegeben hat. Und dann hier in den Bergen. Nach knapp 6 Meilen mache ich eine Pause und wollte auf Sybil warten. Auf dem Trail soll es gleich wieder bergab zur Straße gehen. Das blöde nur, diese Pause dauert fast eine Stunde. Auch bergab ist der Weg recht angenehm. Wir kommen viel zu schnell vorran. Eigentlich wollten wir heute auch nur zehn Meilen schaffen. Unten an einer der Straße steht auf einem großen Schild “Mt. Washington 12,8 Meilen”. Der zweithöchste Berg auf dem AT.  Gegen 14:00 Uhr will ich mir an einer kleinen Quelle  Essen kochen. Abends ist mir das zu spät. Sybil geht schon mal weiter. Wir treffen uns am nächsten Hut mit Campground. Als es für mich weiter geht, ziehen dunkle Wolken auf. Die drei Meilen rauf zum Mt. Webster dauern ewig. Jetzt stören auch die Stöcker manchmal. Ab und an schmeiße ich sie auch schon mal drei Meter nach oben und klettere auf allen Vieren hinter her. Zum Regen kommt da oben auch noch ordentlich Wind dazu. Gegen 19:30 komme ich am Campground an. Die nette Caretakerin erzählt wo Sybil ihr Zelt hat und, dass sie gerade im Hut ist. Als ich dort mal nach dem Rechten schauen, will kommt Sybil mir mit einem Eimer Spülwasser entgegen. Sie hat in der Küche abgewaschen und hat dafür umsonst abendessen dürfen. Sie erzählt mir, dass ich sofort den Typen am Eingang nach “Work for stay” fragen soll. Hier in den Huts dürfen jeden Tag immer eine kleine Anzahl Thru-Hiker  ” work for stay” machen. Ich kriege tatsächlich noch einen Platz und  noch Reste der Lasange von heute Abend sowie reichlich Kuchen. Schlafen darf ich im Speisesaal auf dem Fußboden und bekomme morgen noch Frühstück. Mal sehen, was ich dafür morgen arbeiten muss.

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Tag 111: 03.08.2013 noch 353,3 von 2186 Meilen

Im Shelter habe ich gegen 8:00 Uhr alles zusammen gepackt. Es hat vorher noch etwas geregnet. Jetzt ist sogar ein wenig blauer Himmel. Ich mache mich, wie sonst auch, erst einmal alleine auf den Weg. Drei Stunden später hat Sybil wieder zu mir aufgeschlossen. An der Galehead Hut kehren wir erst einmal mit anderen Hikern auf eine Pause ein. Wir dürfen die Pancakes, die beim Frühstück übrig geblieben sind, aufessen. Natürlich bleibt auf der großen Platte nichts liegen. Danach kommt noch einmal ein steiler Anstieg auf 5000 ft. Heute ist der Tag eigentlich nicht so spektakulär wie gestern. Zum Tagesziel geht es  dann meistens bergab. Aber meistens in riesigen Schritten ganz langsam nach unten. Um 19:00 Uhr erreichen wir ein Campground nach 9 Meilen.

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Tag 110: 02.08.2013 noch 362,8 von 2186 Meilen

Gestern Abend bin ich noch mit P.T. und BMW essen gewesen. P.T. ist der erste Southbounder, den ich hier auf dem Trail kennen lerne. BMW ist seiner Zeit mit Rolling R. zusammen gestartet und hat den Trail bis hier hin ohne Shuttle hinbekommen. Als ich aus dem Ort zurück komme, steht er jedenfalls bei in der Garage mit knall rotem Bayerntrikot. Heute Morgen dauert es dann doch eine Stunde bis vier Leute abmarschbereit zum Frühstücken sind. Zu der Runde von gestern Abend hat sich noch Sybil hinzu gesellt. Außer P.T. wollen  alle heute zum Trail zurück. Nach dem Essen müssen wir nur noch die Straße überqueren, um wieder zum Trail zu trampen. Vorm Tankstellengelände fragt mich einer aus dem offenen Fenster wo wir hin müssen. Ich erkläre es ihm und schon sitzen wir in seinem Wagen. Manchmal weiss ich gar nicht ob mir das Zuhause überhaupt jemand glaubt. Von dem Parkplatz wo wir aussteigen müssen wir leider noch eine Meile zu Fuß zum Trail zurück legen. Dort verabschiede ich mich auch gleich von BMW. Der ist uns viel zu schnell. Von nun an geht es zügig nach oben. Der Unterschied hier zu den Bergen im Süden: im Süden ging es in Serpentinen den Berg rauf. Hier kennt der Weg nur eine Richtung. Manchmal steil gerade nach oben. Aber der Weg lohnt sich. Wir haben schönes Wetter und eine tolle Aussicht. Der erste Gipfel ist der Mt. Lincoln. Von dort geht es über den Kamm zum Mt. Lafayette auf 5291 ft. Danach folgt ein steiler Abstieg und dann wieder rauf zum Mt. Garfield. Diesen Berg  werde ich nicht in so guter Erinnerung behalten. Vielleicht bin ich aber auch nur zu kaputt. Hier geht es jedenfalls wieder nur noch im ersten Gang vorran. Erst im Dunkeln, so gegen 20:30 Uhr, erreichen wir den Garfield Ridge Shelter. Die ersten schlafen hier  schon. Ich muss mir auf jedenfall noch was zu Essen kochen.

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